Die spinnen doch die Zyprioten. Also echt! Was soll das?
Autofahren können sie allesamt jedenfalls nicht. Also nicht so wie wir das aus dem geordneten regulierten und TÜV-geprüften Deutschland her kennen. Hier ist Chaos auf den „Straßen“ angesagt. Also auch das Wort STRASSE müsste hier dringend einer deutschen Prüfung unterzogen werden, durch mindestens drei Säulen der mobilen Gesellschaft (Verkehrsamt, Bundesbehörde Tiefbau und Polizei).
Das hier ist nicht nur Chaors durch „Linksfahrer“, die wie betrunkene australische Seemänner auf Landurlaub unterwegs sind. Das hier ist „Darvin auf der Strasse“! Aber der Zypriote hat sich an die äußeren Umstände perfekt angepasst. Keiner kann wirklich fahren und deshalb stehen sie dann halt auch meist: im ellenlangen Stau! Was genau meine ich mit meiner überheblich klingenden westeuropäischen Urteil?

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: das überall irgendwie gleiche Martinshorn, das eigentlich die Aufmerksamkeit der VerkehrsteilnehmerInnen auf ein sich näherndes Gefährt ziehen sollte, das in Eile ist. Hier auf Zypern hat nur die Ambulanz ein Martinshorn, was die Situation eigentlich stark vereinfacht. Sollte man zumindest meinen. Die Polizei nähert sich eher im Disco-Blau-Rot-Licht aber geräuschlos und undercover.


Was passiert also wenn ein Martinshortn sich ganz offensichtlich in unmittelbarer Nähe befindet? Der Zypriote ignoriert erst einmal so lange er kann. Wenn das Hupen und verzweifelte mit-den-Händen- aus-dem-Fenster-winken der Sanitäter zu nervig wird, dann bleibt man halt stehen. Aber nicht vorausschauend so, dass der Rettungswagen eine Chance hätte an einem vorbei zu kommen, geschweige denn, dass sich eine Rettungsgasse bilden könnte. Nein man bleibt einfach stehen, wie die ESK Mamis mit ihren langen manikürten Kim Kardashian Fingernägeln, den aufgespritzen Lippen und teuren Louis Vitton Täschchen, wenn sie nicht mehr weiter wissen und den entgegenkommenden Fahrer an ihrem breiten SUV, den sie straßenmittig halten vorbei fahren lassen, um nicht am Ende Schuld zu sein, wenn was am Lack kratzt.
Aber zurück zum Rettungswagen: diese Menschen hinter dem Steuer genießen meine Achtung und Bewunderung. Sie müssen über Nerven aus Stahl verfügen und über ein Urvertrauen in Allah, dass der Mensch im hinteren des Wagen vielleicht doch noch überlebt.









Verkehrsregeln habe ich bisher auch noch nicht wirklich kennengelernt. Es scheint wohl auch im Linksverkehr ein „Rechts vor Links“ zu geben. Zumindest in der Theorie. Vielmehr verständigt man sich mit Winken, Hupen, Lächeln oder auch mal den Fuckfinger zeigen – das ist halt noch echte Kommunikation ohne die vielen verwirrenden Schilder, die man in einer Prüfung auch noch abfragen müsste. Vielleicht dauert die Fahrausbildung deshalb auch nur wenige Stunden. Der Fahrprüfer, habe ich mir sagen lassen, ist meist schon hocherfreut, wenn der Prüfling irgendwo geradeaus einparken kann ohne Gegenstände rechts und links niederzupflügen.
Im Gegensatz zum Stierkampf, bei dem man den Stier mit der roten Muleta aufstachelt, bremst man als „Zypriote“ instinktiv, wenn es „Rot“ vor einem wird. Damit meine ich aber nicht die rote Ampel – schön wär’s – ich meine die roten Nummernschilder der Touristen. Diese „würzen den Verkehr noch zusätzlich durch unvorhersehbare unkontrollierte Bewegungen und Fahrstile.

Dafür, dass es „wild auf den Strassen Zyperns“ zugeht, passiert verhältnismäßig wenig an Unfällen. Und dafür, dass extrem viele Tiere auf den Strassen ohne ihre Besitzer herumlaufen, wenn sie überhaupt jemandem gehören, sieht man auch nur sehr selten Tierkadaver – auf jeden Fall seltener als in Deutschland. Meistens sind es junge Tiere, die es erwischt. Wer die ersten Monate als Tier auf zypriotischen Strassen überlebt hat, der kann sich bis ins hohe Alter einer steigenden Lernkurve erfreuen. Neulich suchte ein Hund tatsächlich am Straßenrand nach einem Menschen, den er schließlich auch fand, um mit diesem zusammen über die Strasse zu gehen! Das nenne ich Intelligenz! Ein anderer lief zu einem Zebrastreifen und ging dort über die Strasse. Dazu muss man sagen: Zebrastreifen sind HEILIG! Sobald ein Fußgänger auch nur einen Fuß auf diesen setzt hat, muss alles bremsen.
Fazit: der Verkehr hier ist irgendwie ein täglicher Adrenalinkick. Richtig entspannt fährt man hier nie. Rechne jederzeit mit allem, dann überlebst du, deine Umwelt und dein Auto! Lernkurve steigt ….
